Buch & Film Empfehlungen
Hier möchte ich meine persönlichen Buch- und Filmempfehlungen zu folgenden Themen vorstellen:
Buch Empfehlungen
Thema: Häusliche Gewalt
Schloss aus Glas
von Jeannette Walls
Brunnenstraße
von Andrea Sawatzki
Thema: Sachbücher
Verfahrensbeistandschaft - Ein Handbuch für die Praxis (E-Book)
von Prof. Dr. jur. Ludwig Salgoeannette Walls
und Dr. jur. Natalie Ivanits
Film Empfehlungen
Thema: Häusliche Gewalt
Die Festung
Thema: Wechselmodell
Woche für Woche (2009)
Thema: Spannungen innerhalb der Familie
Was bleibt (2012)
Thema: Emotionale Konflikte
Marriage Story (2019)
Podcast Empfehlungen
Thema: Trennung / Scheidung
Familie Verstehen
Deutschlandfunk / WDR Formate
Film: Die Festung (2020)
Der Film Die Festung schildert eindrücklich die Situation von Kindern, die häusliche Gewalt zwischen den Eltern miterleben. Erzählt wird die Geschichte konsequent aus der Perspektive der Kinder, die die Gewalt nicht unmittelbar sehen, sie jedoch dennoch intensiv wahrnehmen und emotional verarbeiten.
Besonders eindrucksvoll ist, wie der Film zeigt, dass Kinder auch ohne direkte Beobachtung zutiefst betroffen sind: Die Atmosphäre von Angst, Anspannung und Unsicherheit prägt ihr Erleben nachhaltig. Die Gewalt wird nicht explizit dargestellt, sondern wirkt gerade durch das, was unausgesprochen bleibt.
Der Film macht deutlich, wie stark Kinder in solchen Situationen belastet sind und wie sehr sie versuchen, das Geschehen einzuordnen, ohne es wirklich verstehen oder beeinflussen zu können. Er zeigt, dass das Miterleben von Gewalt – auch indirekt – erhebliche Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl und die Entwicklung von Kindern hat.
Die Festung eignet sich besonders, um die oft unterschätzte Perspektive von Kindern in von Gewalt geprägten Beziehungen sichtbar zu machen und dafür zu sensibilisieren, dass Kinder immer mitbetroffen sind – auch wenn sie „nur“ Zeugen sind.
Buch: Schloss aus Glas Film von Jeannette Walls
Das autobiografischeBuch Schloss aus Glas (The Glass Castle) erzählt die Kindheit und Jugend der Autorin Jeannette Walls in einer Familie, die von Instabilität, Armut und emotionaler Vernachlässigung geprägt ist.
Die Eltern erscheinen nach außen oft charismatisch und unkonventionell, sind jedoch nicht in der Lage, ihren Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit zu geben. Der Vater leidet unter Alkoholproblemen, die Mutter entzieht sich immer wieder ihrer Verantwortung. Die Kinder wachsen deshalb in wechselnden Unterkünften, materieller Not und dauernder Unsicherheit auf und müssen früh lernen, sich selbst zu versorgen.
Besonders eindrücklich beschreibt das Buch die Loyalitätskonflikte der Kinder: Trotz Vernachlässigung und Überforderung lieben sie ihre Eltern und hoffen immer wieder auf Stabilität und Veränderung. Gleichzeitig wird sichtbar, wie sehr Kinder versuchen, familiäre Krisen zu normalisieren und die Erwachsenen zu schützen.
Der Titel bezieht sich auf die wiederkehrende Fantasie des Vaters, eines Tages ein „Schloss aus Glas“ für die Familie zu bauen – ein Symbol für Hoffnung, Versprechen und zugleich für die Zerbrechlichkeit der familiären Realität.
Das Buch eignet sich besonders, um zu verstehen, wie prägend emotionale Unsicherheit, Armut und fehlende Verlässlichkeit für Kinder sind – und wie stark Kinder selbst unter schwierigen Bedingungen an ihren Eltern festhalten.
Buch: Brunnenstraße von Andrea Sawatzki
In ihrem autobiografisch geprägten Roman Brunnenstraße beschreibt Andrea Sawatzki eindringlich ihre Kindheit mit einem schwer an Demenz erkrankten Vater. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines Kindes, das früh Verantwortung übernehmen muss und dabei emotional wie praktisch weit überfordert wird.
Besonders eindrücklich ist die Schilderung der Ambivalenz zwischen Nähe und Angst, Liebe und Überforderung. Die junge Andrea kümmert sich um ihren zunehmend unberechenbaren Vater, während die Mutter versucht, die Familie finanziell über Wasser zu halten. Dadurch gerät das Kind immer stärker in eine Rolle, die eigentlich Erwachsenen zukommt.
Das Buch macht deutlich, wie stark Kinder durch psychische oder neurologische Erkrankungen eines Elternteils belastet werden können – selbst dann, wenn sie nach außen funktionieren. Es zeigt, wie Kinder versuchen, Loyalität aufrechtzuerhalten und familiäre Krisen auszugleichen, obwohl sie selbst Schutz und Stabilität bräuchten.
Brunnenstraße eignet sich besonders, um zu verstehen, wie tiefgreifend Überforderung, Krankheit und emotionale Instabilität innerhalb einer Familie das Erleben von Kindern prägen können – auch ohne offene Gewalt oder sichtbare Eskalation.
Buch: Die Mittagsfrau von Julia Franck
Der Roman Die Mittagsfrau erzählt die Lebensgeschichte von Helene Würsich, die in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts zwischen Krieg, Verlust, gesellschaftlichem Druck und persönlicher Überforderung aufwächst. Im Mittelpunkt steht eine zutiefst verletzte Frau, die am Ende des Zweiten Weltkriegs ihren kleinen Sohn an einem Bahnhof zurücklässt. Von dort aus entfaltet der Roman die Geschichte ihrer Kindheit, ihrer Beziehungen und ihrer zunehmenden emotionalen Erstarrung.
Besonders eindrücklich beschreibt das Buch, wie Traumata, emotionale Vernachlässigung und gesellschaftliche Zwänge über Generationen weitergegeben werden. Die Perspektive des Kindes spielt dabei eine zentrale Rolle: Der Sohn erlebt den Verlust und die emotionale Distanz der Mutter, ohne die Hintergründe verstehen zu können. Gerade dadurch wird sichtbar, wie tief Kinder von den inneren Konflikten und Belastungen ihrer Eltern geprägt werden.
Das Buch eignet sich besonders, um zu verstehen, dass Elternschaft nicht automatisch emotionale Verfügbarkeit bedeutet und dass ungelöste eigene Verletzungen die Beziehung zu Kindern erheblich beeinflussen können. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie hilflos Kinder Situationen ausgeliefert sind, die sie weder beeinflussen noch einordnen können.
Die Mittagsfrau ist deshalb nicht nur ein Familien- und Zeitroman, sondern auch eine eindringliche Auseinandersetzung mit Bindung, emotionaler Kälte und den langfristigen Folgen früher seelischer Verletzungen.
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